Unser erstes Ausflugsziel führt uns in den Nationalpark Hakone. Dieser ist berühmt für seine Natur und natürlich die Nähe zum Fuji. Von Yokohama aus ist Hakone im etwa 70 Minuten zu erreichen und eignet sich hervorragend für einen Tagesausflug mit Rundreise durch die Region. Die Japaner machen das auch sehr gerne und haben den klassichen Rundweg mit vielen Sightseeing-Spots und abwechslungsreichen Transportvarianten perfektioniert.
Nach Ankunft in Odawara, der nächstgrößeren Stadt mit Fernbahnhof, hat man die Möglichkeit, sich mit dem Hakone-Free-Pass auszustatten. Mit dem Pass dürfen alle Züge, Busse, Seilbahnen und Schiffe der Odakyu-Linie in der Region genutzt werden und man bekommt Rabatte auf viele Sehenswürdigkeiten, Restaurants etc.
Wir haben uns den Pass für 2 Tage geholt und sind direkt los mit dem Zug nach Hakone-Yumoto. Von dort ging es weiter mit dem Bus die Berge hinauf bis zu einer Bushaltestelle mitten im Wald neben einer alten japanischen Hütte.

Diese Hütte ist das Amazake-chaya, ein originalgetreuer Nachbau eines historischen Teehauses. Hier kann man genau wie die Reisenden vor über 100 Jahren einkehren, sich aufwärmen und sich mit Amazake für die Weiterreise stärken. Amazake ist eine Art alkohlfreier, süßer Reiswein (Sake) und wird warm serviert. Die Konsistenz ist vergleichbar mit Cremesuppe. Dazu gibt es wie in jedem japanischen Restaurant kostenlosen Tee.

Nach dem kurzen Aufenthalt im Teehaus sind wir ein Stück des Wanderwegs der alten Tokaido-Handelsstraße entlang bis Motohakone am Ufer des Ashi-See gelaufen. Die alte Handelsstraße ist gesäumt von uralten Bäumen und hat noch die Original „Pflastersteine“ über die man fast schon klettern muss 😅




Die nächste Station des Rundwegs ist das Piratenschiff auf dem Ashi-See. Mit dem Schiff kommt man über den See oder kann eine Rundfahrt machen um die wunderschöne Landschaft mit dem Fuji im Hintergrund zu genießen. Der Ashi-See ist ein Kratersee auf 723m Höhe. Nachdem wir den See an Deck des Schiffs überquert haben ging es direkt weiter zur Seilbahn auf den nächsten Berg.



Angekommen in Owakudani auf 1.055m Höhe gibt es eine tolle Aussicht und die Schwefelfelder des Bergs aus sicherer Entfernung zu sehen und riechen. Die weltbekannte lokale Spezialtät in Owakudani sind in Schwefelwasser gekochte Eier, deren Schale sich durch den Schwefel schwarz färbt und die beim Essen das Leben um 7 Jahre verlängern sollen. Am frühen Nachmittag waren die Eier dort leider schon ausverkauft und wir mussten uns mit schwarzem Eis als Ersatz begnügen 🤣




Irgendwann mussten wir uns dann doch von der tollen Aussicht und Unmengen an schwarzen Souvenirs losreißen und weiter mit der Seilbahn fahren. Zunächst „fliegt“ man mit der Seilbahn quer über das riesige Schwefelfeld und man wird sich des aktiven Vulkans doch sehr bewusst. Danach geht es bergabwärts zur Endstation Souzan, wo man direkt ins nächste Transportmittel umsteigen kann: eine Kabel-Seilbahn, die in kurzer Zeit 211 Höhenmeter sehr steil abwärts Richtung Tal fährt. Wir haben hier allerdings keine Fotos gemacht, da die Bergstation derzeit eine große Baustelle ist.

Den restlichen Weg ins Tal legt man mit einer kleinen Bahn zurück, die sich im zick-zack mit mehreren Fahrtrichtungswechseln den Berg herunter bis zum Bahnhof Hakone-Yumoto schlängelt.

Hier schließt sich der Kreis der Rundreise und wir sind fürs Abendessen zurück nach Odawara.

Für den zweiten Tag in Hakone hatte die Wettervorhersage Bewölkt mit leichtem Regen und etwas Wind angekündigt. Wir schnappten uns also die Jacken und sind los. Kaum aus dem Hotel wurden wir vom Wind fast weggefegt. Nun ja, rund um Wolkenkratzer direkt an der Küste ist der Wind ja gerne mal etwas stärker. Am Bahnhof war es dann deutlich weniger und wir waren guter Dinge und setzten die Reise voller Vorfreude nach Hakone-Yumoto fort.
Vor Ort erwartete uns etwas Wind und Nieselregen. Und eine Menge Menschen, denn heute ist Frühlingsfeiertag in Japan. Im Zug wurde bereits (nur auf japanisch) durchgesagt, dass die Seilbahn heute aufgrund des starken Windes nicht fährt und das die Schiffe zeitweise nicht fahren. Damit hatten wir gerechnet und es bereits gestern in der Planung berücksichtigt. Zusammen mit allen Anderen sind wir erstmal in die Eki-mae, die obligatorische Einkaufsstraße an Bahnhof. Sobald der Nieselregen etwas weniger wurde wagten wir uns in den Expressbus zum Ashi-See.

Der Bus schlängelte sich die engen und steilen Serpentinen den Berg hinauf und aus dem Nieseln wurde richtiger Regen. An der Endstation Motohakone verließen wir planmäßig den Bus nur wenige Meter vom Ufer des Ashi-Sees entfernt.

An dieser Stelle sollte unser eigentliches Tagesprogramm mit dem Weg durch den Zedernallee-Teil der alten Handelsstraße, der Besichtigung des originalgetreuen Nachbaus des Handelsstraßen-Kontrollpunkt aus der Edo-Zeit und anschließender Rundfahrt auf dem Ashi-See starten. Doch was nun kam, änderte alles:
Kaum aus dem Bus gestiegen, hat uns der starke Wind mit fast schon vertikalem Regen an die nächste Hauswand geschoben. Begleitet wurde das Szenario von vielen, teils meterhohen Wellen auf dem See, die uns über die Böschung entgegen kamen und uns zum Glück doch nicht trafen. Zusammen mit ein paar anderen mutigen Touristen machten wir uns auf den Weg zu den nächstgelegenen Restaurants und Shops um Schutz vor dem Wetter zu suchen. Nach wenigen Minuten (oder waren es Sekunden? 😂) waren wir ziemlich durchnässt und entschieden uns für das Teehaus mit Seeblick.
Ja, das ist derselbe See, über den wir gestern mit dem Schiff gefahren sind 😨
Trotz nasser Kleidung wurden wir dort herzlich empfangen und bekamen auch einen Tisch am Fenster im ersten Stock. Diese entspannte und einmalige Gelegenheit nutzen wir erstmal zum Aufwärmen mit heißen Getränken und um uns durch traditionelle japanische Süßspeisen zu probieren.

Anmitsu: rote Azuki-Bohnen und Bohnenpaste, Dango (Klebreisklößchen) und Agar-Agar-Gelée, welches zum Verzehr noch mit schwarzem Honig übergossen wird.

Dango-Set: Matcha-Dango (links): mit rotem Bohnenmuß und Mitarashi-Dango (rechts): in süßer Soja-Soße und dazu heißen Sake

Wagashi-Set: Dünne Reiswaffeln die mit Eis, rotem Bohnenmuß und/oder Yuzu-Marmelade bestrichen werden
Nach einer Weile leerte sich das Teehaus und wir beschlossen uns auch auf den Rückweg zu machen, da sich das Wetter in absehbarer Zeit wohl nicht mehr ändern würde. Während der Busfahrt im Nebel zurück ins Tal konnten wir gemeinsam mit den anderen Fahrgästen über das schlechte Wetter und minimal nasse Kleidung lachen.
Zurück in Yokohama besuchten wir zum Abendessen das Hard Rock Café.



