Wir verabschieden uns von Yokohama und machen uns am frühen Morgen mit dem Zug auf den Weg nach Tokyo. Unser nächstes Ziel führt uns tief in die Berge zum verschlafenen Onsen-Städchen Kusatsu in der Gunma-Präfektur.
Zunächst geht die Fahrt mit dem ICE-Equivalent Shinkansen weiter. Typisch japanisch holen wir uns für die Fahrt im Bahnhof Tokyo noch Ekiben, eine Bentobox für Zugfahrten mit allerlei Köstlichkeiten.

In Takasaki steigen wir auf die Regionalbahn nach Naganohara-Kusatsuguchi um und entfernen uns aus der städtisch geprägten Küstennähe ins Inland. Von hier aus geht es mit dem Bus noch weiter die Berge hinauf bis wir schließlich nach ca. 3,5 Stunden Kusatsu erreichen.
Nach dem Wetterumsschwung der letzten Tage ist es hier deutlich kälter und es liegt noch ein bisschen Schnee.
Der Ort liegt auf 1.200m Höhe fast umgeben von Bergen und dem aktiven Vulkan Shirane. Als einer der besten drei Kurorte für heiße Quellen (Onsen) ist Kusatsu gespickt mit vielen traditionellen Ryokan (Gasthaus), Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten für Gäste und natürlich Badehäusern.

Wir haben uns einen Ryokan mit japanischen Zimmer und hauseigenem Onsen-Bad ausgesucht.
Nach den Formalitäten am Check-in wurde unser Gepäck schon mal aufs Zimmer gebracht und wir konnten uns noch etwas umschauen, bevor das Zimmer bereit ist.
In wenigen Minuten erreichen wir die Hauptattraktion der Stadt: Yubatake, die große heiße Quelle im Zentrum.

Das Wasser wird über viele Holzkisten zur Kühlung geführt und anschließend in die Badehäuser geleitet.

Am Ende gibt es noch einen kleinen Wasserfall.

Langsam wird es uns zu kalt und unser Zimmer sollte fertig sein.
Zurück im Ryokan bekommen wir den Schlüssel und betreten zum ersten Mal ein traditionelles japanisches Zimmer mit Tatami (Bambusmatten), Papierschiebetüren und allen drum und dran 😍
Im Türbereich gibt es ein Genkan, wo man seine Schuhe auszieht und den Raum nach einer Stufe nur mit Socken betritt.

Hinter der Schiebetür ist das eigentliche Zimmer mit 14 Tatami (in Japan misst man mit Tatami statt Quadratmeter)

Zum Zimmer gehört auch weitere, abgetrennte Bereiche:
- Sitzbereich am Fenster im westlichen Stil
- Ankleidezimmer bzw. begehbarer Kleiderschrank
- Balkon mit Aussicht auf die Berge und kleinem Steingarten
- (japanisches) Badezimmer
- Tokonoma (Deko-Nische)
Das Sitzen quasi auf dem Boden ist sehr ungewohnt, doch mit einem zusätzlichen Kissen gar nicht Mal so unbequem. 😎

Das Berge-Panorama über Kusatsu vom Zimmer/Balkon ist fantastisch:



Nachdem wir uns mit dem Zimmer vertraut gemacht haben reservieren wir uns den privaten Onsen am Abend und schauen uns bis zum Abendessen die Umgebung an.




Zum Abendessen bekommen wir Shabu-Shabu (eine Art japanisches Fondue) und eine Auswahl der Kaiseki-Küche (regionale Spezialitäten).

Erwähnenswert ist das wir bei unserer Ankunft einen Yukata vorfanden, ein traditionelles Gewand das von Männern und Frauen getragen wird. Dieses wurde von den meisten Gästen im Haus, als auch auf dem Weg zu den öffentlichen Bädern getragen. So auch von uns im Restaurant. Ausnahmslos alle Gäste mussten jedoch ihre Schuhe ausziehen.

Nach dem außergewöhnlichen Abendessen geht es endlich ins Onsen. Wir haben und zunächst für die private, kostenpflichtige, Variante entschieden, um uns an die heiße Quelle und die Onsen-Regeln ranzutasten. Im Haus gibt es noch zwei große öffentliche Onsen, die man geschlechtergetrennt und nackig mit anderen teilt.

Nach der Entspannung im Onsen war es Zeit fürs Bett und uns erwarteten bereits die Futon

Am nächsten Morgen hatte es etwas geschneit und wir packten uns nach dem Frühstück in so warme Kleidung wie möglich um die Stadtbesichtigung fortzusetzen.



In viele der kleinen Läden wird man Hineingebeten und erhält kleine Kostproben der angebotenen Süßigkeiten. Fast immer gibt es auch eine Tasse heißen Tee der auch schonmal über der Improvisierten Heizung gemacht wird.


Im Sai no Kawara Park kann man in und um das heiße Wasser eines Bachs laufen und sich die Füße in einem der zahlreichen Fußbädern aufwärmen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und starkem Wind haben wir das nur einmal kurz probiert 😸





Es gibt übrigens eine Städtepartnerschaft mit Deutschland und unter anderem eine Büste des deutschen Dr. Erwin Bälz (links im Bild), der 1876 als Hausarzt des japanischen Kaisers zur Erforschung der heißen Quellen nach Kusatsu kam und diese weltbekannt machte.

Überhaupt findet man viele kleine Hinweise auf deutsche Einflüsse wenn man die Augen offen hält.




Nachdem es dunkel wurde sind wir nochmal raus in die Kälte, um den beleuchteten Yubatake zu sehen.




Zum Abschluss des Tages haben wir als Souvenir noch Omiyage besorgt.

Dann hieß es ab unter den Futon und Morgens auschecken.

