Die erste neue Station unserer Reise führt uns nach Kanazawa in der Ishikawa-Präfektur, auf der anderen, nördlichen Seite der Hauptinsel. Wir fahren entspannt mit dem Shinkansen quer durch die Insel und durch die Berge. Leider gibt es davon wegen der vielen Tunnel und Gräben nicht viel zu sehen. Ab und zu kann man dennoch einen Blick auf das herbstliche Bergpanorama erhaschen. Die Bäume leuchten in grün, gelb, orange und rot 🍁
Nach etwa der Hälfte der Strecke fahren wir an der nördlichen Küste entlang und erfahren nach und nach, dass auch Japan den (Regional-) Zugverkehr mal vorsorglich einstellt, wenn ein Sturm aufzieht. Zum Glück müssen wir in Kanazawa nicht mehr umsteigen und können vom Bahnhof laufen.
Auf dem weitläufigen Bahnhofsvorplatz steht man direkt vor dem Tsuzumi-Mon, einem Wahrzeichen Stadt. Ein beeindruckendes riesiges, hölzernens, rotes Tor.

In einer ruhigen Gegend, etwa 20 Minuten vom Bahnhof entfernt, direkt neben dem Osaki Schrein am Burgpark liegt unser Zuhause für die nächsten Tage. Wir übernachten in einer Machiya, einem traditionellen Wohnhaus, das ursprünglich vor 90 Jahren gebaut und liebevoll renoviert wurde ohne den originalen Charme zu verlieren. Viele dieser kleinen, alten Häuser, die es auch in anderen Städten mit historischer Relevanz gibt (z.B. in Kyoto) stehen jahrelang leer und verfallen nach und nach, bis sich Sanierung oder Neubau nur noch selten lohnen. Bei denen, die noch zu retten sind, wird durch eine aufwendige Renovierung mit modernen Upgrades ein einzigartiges Erlebnis geschaffen.
Unsere Machiya steht versteckt in einer unscheinbaren Gasse, die man schnell übersieht, zusammen mit anderen Machiya. Ein paar sind auch renoviert, eine wird gerade renoviert und ist eine Baustelle voller Schreiner und andere sind in zweifelhaftem Zustand von Holztoren verdeckt.


Der innere Teil des Hauses ist klassisch japanisch. Man betritt das Haus durch den Genkan (Eingangsbereich zum Schuhe ausziehen) und findet im Erdgeschoss ein großes Tatami-Zimmer als Wohnzimmer, das durch Shoji-Schiebetüren in zwei Zimmer aufgeteilt werden kann, sowie eine Küche, Toilette und ein Badezimmer mit Wasch-Vorraum, welches ursprünglich separat in einem kleinen Nebengebäude untergebracht war und nun durch einen neuen Gang mit dem Haupthaus verbunden ist. Außerdem gibt es einen kleinen Garten im Hinterhof, den man auch beim Baden sehen kann.








Über eine steile Holztreppe erreicht man den zweiten Stock in dem sich der Schlafbereich befindet. Wie im Erdgeschoss in Form eines großen, teilbaren Tatami-Zimmers. Hier schläft man auf Futon, dem klassischen japanischen Bett (dünne Matratze ohne Bettgestell, direkt auf den Tatami-Matten).




Die Wände sind dünn, Isolierung quasi nicht vorhanden, das alte Holz ist teilweise uneben und verzogen, aber auch das macht den Charme der Machiya aus. Moderne elektronische Geräte in Küche, Badezimmer und Toilette, sowie Klimaanlage, Luftreiniger und kleine Heizelemente erhöhen den Komfort. Der große Tisch im Wohnzimmer hat sogar einen Kotatsu (eingebaute Heizdecke). Immer wieder entdecken wir schöne kleine Details der Ausstattung, die zeigen wieviel Herzblut in das Haus gesteckt wurde.












