Von Burgen und Bären – Kumamoto

Mittlerweile routiniert fahren wir mit der Straßenbahn vor unserem Hotel Richtung Shinkansen Bahnhof. Die kostenlosen Sitzplatzreservierungen haben wir vorab besorgt. Das kann man gut Abends machen, wenn die Schalter in den Bahnhöfen frei sind. Da es Sinnvoll ist, dies ein-zwei Tage im voraus zu machen, binden wir solche Sachen in späte Ausflüge oder Spaziergänge ein.

Auch wenn die Fahrt nach Kumamoto nicht einmal eine Stunde dauert, decken wir uns mit Eki-ben ein. Eine Wortkombination aus Eki, Bahnhof, und Bento, Lunchbox. Das gehört beim Reisen mit dem Shinkansen irgendwie dazu. Im Bahnhof war ein Season-Stand mit speziellen Bentos aufgebaut, an dem wir uns was ausgesucht haben.

In Kumamoto angekommen haben wir uns in der Touristeninformation Ein-Tages-Pässe für den örtlichen Nahverkehr besorgt. Erstaunlich wie oft man so etwas nutzt, nur weil es sauber, pünktlich, preiswert und leicht erreichbar ist. Außerdem gibt es auch hier Rabatte auf den Eintritt zu zwei Attraktionen die wir im Auge haben.

Bereits am Bahnhof werden wir von Kumamon, dem lokalen Maskottchen begrüßt. Der schwarze Bär ist in Japan allgegenwärtig und in seiner Heimat Kumamoto natürlich besonders präsent. Auch die aktuell problematische Situation mit den echten, wilden Bären im Norden Japans kann Kumamon’s Popularität nichts anhaben.

Bevor wir zu den Sehenswürdigkeiten reisen, machen wir einen Abstecher zu einem Geheimtipp. Wir betreten einen Warteraum der aussieht wie ein Straßenverkehrsamt. Und das ist kein Zufall. Denn, im 14. Stockwerk der Stadtverwaltung, befindet sich eine kostenlose Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt Kumamoto und unsere erste Attraktion die Burg Kumamoto.

Dazu eine kleine Randnotiz: es ist faszinierend Japaner beim Aufzug fahren zu beobachten. Es gehört zum guten Ton, das eine Person den „unwichtigsten“ Platz an der Schalttafel einnimmt und bei jedem Halt den „Tür öffnen“ Knopf gedrückt hält, bis alle Personen ein- bzw. ausgestiegen sind. Dann drückt Sie den „Tür schliessen“ Knopf. Wenn möglich verlässt diese Person auch als letztes den Fahrstuhl, obwohl sie am nächsten an der Tür steht. Wir haben uns kulturell aufgeschlossen gezeigt und mit einer motivierten Dame einen Wettkampf an den beiden Konsolen ausgefochten. Sie hat gewonnen und wir haben beschämt als erstes den Fahrstuhl verlassen.

Nachdem wir es aus der Stadtverwaltung wieder heraus geschafft haben, machen wir uns auf den Weg zur Burg. Nach nur wenigen Schritten sind wir schon am Burggraben und können die schöne Burgmauer und den Graben bewundern. Nach Betreten des Burggeländes werden wir auf eine ca. 6 Meter hohe Fußgängerüberführung geleitet. Anderes als bei den anderen Burgen, die wir bisher besichtigt haben, können wir hier nur indirekt durch die Burganlage laufen, denn das gesamte Gelände wurde bei einem großen Erbeben 2016 schwer beschädigt und befindet sich seitdem und noch bis 2042 in Restaurierung und Wiederaufbau. Über die Brücke kann man den aktuellen Stand der Arbeiten beobachten und sich auch einige beschädigte Stellen anschauen, die erst in dem nächsten Jahren repariert werden. Man kann sich kaum vorstellen, wie stark das Erbeben war um so alte Steinmauern in die Knie zu zwingen…

Am Ende der Überführung geht es dann nochmal steil abwärts und fast unter die Erde. Die „Dunkle Passage“, eine Art historische Unterführung und Teil der Verteidigungsanlage, unterhalb des Honmaru-Palasts kann durchquert werden und unsere Köpfe passen tatsächlich noch unter die großen, schweren Holzbalken der Decke.

Am anderen Ende wartet bereits der Vorplatz zum Tenshukaku, der Hauptburg. Hierbei handelt es sich um einen Nachbau der Originalburg mit einem Museum über 6 Stockwerke. Das Gebäude wurde 2021 als erstes nach dem Erbeben wieder für Besucher geöffnet. Während wir das schöne Tenshukaku bewundern treffen auf dem Vorplatz beinahe im Minutentakt Schulklassen ein, die unseren Museumsbesuch noch beeinflussen werden.

Im Museum wird über die einzelnen Stockwerke verteilt die Geschichte der Burg und des Wiederaufbaus nach dem Erbeben gezeigt. Die Schilder sind leider nur auf japanisch und obwohl es eine Art englischen Audioguide gibt, ist es jedoch kaum möglich ihn zu benutzen, denn im inneren ist es insbesondere wegen der Schulklassen sehr voll und laut und warm. Wie auch in den anderen Burgen wird jedes Stockwerk etwas kleiner und wärmer, aber immerhin ohne die immer kleiner und steiler werdenden Treppen! Oben angekommen gibt es wie immer eine Aussichtsplattform in alle Richtungen, bevor man wieder die Treppe runter geht – diesmal ohne Druck, denn auch den Japanern ist es oben viel zu warm.

Nach dem Getümmel um die Burg brauchen wir erst einmal Ruhe. Also fahren wir mit der, zum Glück nicht zu vollen Straßenbahn Richtung 水前寺公園, den Suizenji-Park.

Dort ist es in der Tat deutlich entspannter und das Panorama gleich zu Anfang ist Atemberaubend.

Auch in Kumamoto gibt es eine Rahmenspezialität. Diese Tonkotsu-Ramen zeichnen sich durch zugabe von schwarzem Knoblauch-Öl und eine besonders cremigen Brühe aus. Wir haben uns vorab über die Restaurantempfehlungen der Stadt, als auch über die Bewertungsplatform Tabelog informiert.