Die 7 Höllen von Beppu

Gut ausgeruht und mit Sonnenbrille bewaffnet starten wir in den Tag mit einer besonderen Zielsetzung: Alle sieben Höllen Beppus zu besuchen! Das Wetter bildet einen harten Kontrast zu den regnerisch-wolkigen Tagen bisher. Und bei Sonne, über zwanzig Grad und Palmen vergisst man schnell das eigentlich Mitte November ist. Der Bus hält einen Steinwurf von unserer Unterkuft und bringt uns direkt vor die Tore der…

Umi Jigoku – Willkommen in der Hölle

Ein wunderschöner, leuchtend blauer Teich, der wie das Meer (Umi) zum Baden einlädt, oder? Doch der Schein trügt – das Wasser ist 98° heiß und es wäre die Hölle, da drin zu baden 😉

Oniishi Bozu Jigoku – Was blubbert da so?

Ein hässlicher grauer Schlamm, der ruhig vor sich hin blubbert. Ab und zu formen sich Blasen in Form eines Glatzkopfs. Ist da etwa ein Mönch in der Hölle gelandet?? Das Wasser dieser heißen Quelle ist 95° heiß.

Kamado Jigoku – heißes Wasser ist zum Kochen da!

Die dritte Hölle hat 90° heißes Wasser, perfekt zum kochen/dämpfen von Reis oder doch etwas ganz anderes? Die Oni haben eine gespaltene Meinung!

Das Dämpfen von Essen über den heißen Quellen ist ebenfalls Programm. Überall gibt es große und kleine Stände, die frisch gedämpftes Gemüse und andere Gerichte anbieten. Wer mag, kann sich auch ein eigenes Bambuskörbchen zum dämpfen zusammenstellen.

Oniyama Jigoku – die absolute Hölle für Krokodile

Die vierte Hölle ist etwas anders als die vorherigen. Im 99,1° heißen Quellwasser tümmeln sich ~80 Krokodile, denen man beim entspannen zugucken kann. Nur nicht zu nah dran gehen! Warum gibt es Krokodile in einer heißen Quelle in Japan? Keine Ahnung, vermutlich hat sie jemand mal mitgebracht und sie haben den Onsen auch ins Herz geschlossen.

Shiraike Jigoku – War das Wasser jetzt blau oder weiß oder grün?

Die fünfte Hölle verwirrt die Sinne mit Wasser, das klar aus der Quelle kommt und dann die Farbe „wechselt“. Durch Druck- und Temperaturunterschiede bekommt das 95° heiße Wasser eine blau/weißlich/milchige Farbe. In diesem Wasser fühlen sich auch tropische Fische wohl, also gibt es ein Aquarium mit Piranhas (und anderen Fischen).

Chinoike Jigoku – teuflisch rot!

Die sechste Hölle köchelt sich ihren Weg durch roten Lehm, der für die Behandlung von Hautkrankheiten bekannt ist. Zumindest wenn er nicht 78° heiß ist!

Tatsumaki Jigoku – Zur Hölle mit dem Wasser! (oder so ähnlich)

Die siebte Hölle wirft zunächst Fragen auf. Vor einem Steinhaufen steht gefühlt ein halbes Amphitheater aus Stein und ein Schild, das auf Quellwasser alle 30-40 Minuten hinweist. Wir setzten uns auf eine Bank zu der wartenden Meute und warten, bis sich die Reihen gefüllt haben. In der Zwischenzeit können wir das Schild übersetzen und sind bereit für: einen Geysir! 40 Minuten warten für 5 Minuten Geysir-Action 😅 Wir warten geduldig und beobachten wie der Getränkestand Millionen verdient (leckere Kabosu-Limo, übrigens) und bewundern den durch den Steinhaufen höhenmäßig begrenzten Geysir, wie er sein 105° heißes Quellwasser ausspuckt. Die Hölle!


Haben wir schon erwähnt das Japan in manchen Belangen der Digitalisierung noch weiter hinterher hängt, als Deutschland? Faxgeräte und Stempel werden hier immer noch viel genutzt und insbesondere Stempel sind im täglichen Leben fest verankert. Von Hanko (persönliche Namensstempel statt Unterschrift), saisonalen Poststempeln und Goshuin (eine Art Stempelkunst bei Tempel & Schreinen, die kunstvoll den Namen der Örtlichkeit auf Papier oder ins Stempelbuch bringen). Warum wird das an dieser Stelle erwähnt? Stempel-Ralleys. Wir kennen es noch dunkel aus der Kindheit, aber hier ist es ein Spaß für Jung und Alt. Und selbstverständlich gibt es eine Stempel-Ralley mit Stationen an allen Höllen. Das haben wir natürlich mitgespielt 🤣

Mit betreten der siebten Hölle, haben wir unser Ziel erreicht die Stempel Rallye abzuschließen!


Zwischen den ersten Quellen liegen nur wenige Minuten Fußweg mit allerlei Ständen und Händlern. Ein Stand betrieben von einem netten Rentner-Paar hat Onsen-gedämpfte Süßkartoffeln angeboten. Das müssen wir einfach unterstützen!

Auf dem Weg zur sechsten und siebten Hölle, die etwas weiter von den anderen entfernt liegen, haben wir noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt über die Stadt gemacht.

Zurück am Bahnhof von Beppu angekommen wenden wir uns einem Restaurant zu, welches die lokalen Spezialitäten auf der Karte hat. Aber auch die Beilagen sind allesamt erwähnenswert!

So, nach so einem langen Tag ist es Zeit für den Onsen, die nicht zu heiße Version! Perfekt um nach einem langen Tag zu entspannen. Oder davor. Oder dazwischen. Und nachher nochmal kurz?