Die Berge von Kyushu

Nachdem wir uns von dem Onsen gerade so los reißen konnten, haben wir das schöne Wetter genutzt um einen Abstecher in die Berge zu machen. Die Stadt Beppu liegt am Rand des Aso-Kuju Nationalparks und es gibt nicht weit entfernt eine Seilbahn auf den Berg Tsurumi. Wir packen also unsere Sachen und stauben kurz die Jacken ab (soll ja oben was kälter sein) und machen uns auf den kurzen Weg zum Bahnhof um uns mit Proviant für ein Frühstück auf dem Berg zu rüsten. Auf der anderen Seite des Bahnhofs fährt unser Bus, der jedoch ziemlich voll wird, da er auch nach Yufuin, eine andere Onsen-Stadt, fährt.

Auf der kuscheligen, zwanzig minütigen Fahrt lernen wir, wie man während der Serpentinen den Berg hinauf stehen bleibt. Und dass das Gepäck das nicht schafft. Etwas erschöpft, aber glücklich erreichen wir die untere Seilbahnstation auf 500 Meter über dem Meeresspiegel. Wir müssen auch nicht lange auf die nächste Gondel warten und machen uns auf den steilen Weg 800 Höhenmeter nach oben.

Der Berg Tsurumi ist 1.375 Meter hoch und der aktive Lavadom-Vulkan, dem Beppu seine Onsen verdankt.

Die Bergstation auf 1.300 Meter zeigt sich sonnig und deutlich kühler als in der Stadt. Endlich Herbst!

Nach eine kurzen Frühstückspause packen wir uns, denn es gibt oben viel zu sehen. Und damit ist nicht nur die fantastische Aussicht in alle Himmelsrichtungen gemeint!

Die Qual der Wahl: die Bucht von Beppu mit Blick auf das Meer, die Kuju-Berglandschaft & der Nachbarberg Yufu oder bei guter Sicht sogar die anderen Inseln (Richtung Chugoku und Shikoku).

Auf dem Rundweg auf dem Berg gibt es auch ein paar Schreine und Steinfiguren der sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin), die es zu finden gilt.

Gipfel-Erklimmung

Zurück in Beppu die ewig gleiche Frage: Wo und was gibt’s zu Abend? Ausgehungert von den vielen Schritten und Höhenmetern, machen wir uns mit unserer Empfehlungs-App auf die Suche. Im ersten Restaurant werden wir so gleich abgewiesen. Keine Reservierung, kein Eintritt! Auch die nächsten beiden Gaststätten sehen nicht besser aus. Dazu muss man wissen, viele Izakaya-Style Restaurants sind Raucher-Kneipen und somit Eintritt ab 20 Jahren. Wir haben uns entschieden, nach einem rauchfreien Lokal zu suchen, was die Auswahl deutlich einschränkt. An der Schwelle zur Aufgabe sehen wir ein Pärchen mit Kind in eine unscheinbare Gasse einkehren und in einem Treppenhaus verschwinden. Kind heißt, keine Kneipe! Also ab hinterher.

Im zweiten Stock des Gebäudes erwartet uns eine winzige Yakitori Stube. Also ein Restaurant für über Holzkohle gegrillten Spießen, meist Hähnchen. Wir werden freundlich, aber mit vorsichtigem Blick begrüßt. Dann der Hardcore-Touristen-Test: „Cash only, ok?“ Wir kontern Schlagfertig „だいじょうぶ“ (Daijõbu – In Ordnung). Sie holt erneut aus „No english menu, ok?“ „だいじうぶ“!

Sie gibt auf und wir setzen uns an einen der vier Tische. Und bekommen eine eng handschriftlich beschriebene Karte, welche dem Übersetzer erstaunlich schwer fiel. Da mussten wir jetzt durch! Da in Japan auch gerne Haut, Innereien und Knorpel als absolut essbar verkauft werden, halten wir uns an die sicheren Begriffe für Schenkel- und Brustfleisch mit verschiedenen Marinaden.

Nur noch ein letztes Mal in den Onsen, dann geht unsere Reise am nächsten Morgen weiter Richtung Chugoku auf der Hauptinsel Honshu. Bis zum nächsten Mal Kyushu 🩷


Nachtrag: Apropos Vulkan, wie wir später heraus gefunden haben, ist der Sakurajima in der Nacht zum Sonntag, 16.11.25 ausgebrochen. Der erste große Ausbruch seit Oktober. Mitten in der Nacht, bis 2 Uhr morgens gab es insgsamt drei explosive Ausbrüche am Minamidake-Krater (der, den wir ab und zu rauchen gesehen haben). Es gab Aschewolken mit bis zu 4,4km Höhe, Vulkanblitze und ~100m hoch ausgeworfene Gesteinsbrocken rund um den Gipfel. Ein Video gibts hier. Verletzt wurde niemand, da sich die Eruptionen im ohnehin gesperrten Gipfelbereich ereignet haben und der Vulkan dauerhaft unter Beobachtung steht.

Nur zwei Tage, nachdem wir weiter gereist sind! Das ist doch nicht zu fassen!