Kagoshima: die Hafenstadt mit eigenem Vulkan

Wir verlassen unsere Unterkunft in Fukuoka. Das Apartment war sauber, modern eingerichtet und gut gelegen. Aber leider sehr dünnhäutig, sprich man hörte alles was draußen geschieht. Check-In und -Out funktionierten übrigens Kontaktlos per Email. Technik und elektronische Zahlenschlösser machen es möglich.

Am Shinkansen Bahnhof Hakata besorgen wir uns Frühstück. Anders als in vielen anderen öffentlichen Bereichen und insbesondere Transportmitteln, ist es völlig ok im Fernverkehr zu essen. Wir nutzen die kurze Fahrt zum Schreiben. Es geht rund 300km weiter nach Süden, die Aussicht wird jedoch leider immer wieder durch Tunnel Abschnitte unterbrochen. Die Sitzplatz-Reservierungen haben wir uns vorab kostenlos am Service Schalter besorgt.

Nach einer kurzen Fahrt vom Bahnhof Kagoshima-Chuo mit der Straßenbahn in die Innenstadt Tenmonkan, konnten wir unsere Taschen im Hotel abgeben. Das Zimmer vor der offiziellen Check-In Zeit betreten zu wollen, ist ein großes No-go in Japan. Daher trollten wir uns gleich wieder und gingen Richtung Wasser.

Wir schlendern quer durch Tenmonkan bis wir einen kleinen Wasserfront-Park am Hafen erreichen. Und endlich bekommen wir ihn zu Gesicht: der Sakurajima! Ein größtenteils harmloser, aktiver Vulkan in der Mitte der Bucht. Er „raucht“ quasi täglich immer mal wieder und verteilt seine Asche rundherum. Deswegen gibt es in der Gegend sogar eine Aschevorhersage – faszinierend! Wir können es kaum erwarten, ihn aus nächster Nähe kennenzulernen!

Während wir eine kleine Pause an den Freitreppen der Hafenmauer einlegen, den Vulkan beobachten (er könnte jeden Moment ausbrechen!!) und unsere Currybrötchen auspacken werden wir nichtsahnend aus großer Höhe ausspioniert. Wie aus dem nichts stürzt sich plötzlich ein riesiger Greifvogel auf uns herab und hat das Currybrötchen und unsere Köpfe nur um Haaresbreite verfehlt 😱 Dagegen sind unsere Nordsee-Möwen noch harmlos! Nach diesem Schrecken lassen wir das Currybrötchen schnell verschwinden und empfehlen den Greifvögeln lieber die Tauben während wir uns wieder auf den Weg machen.

Zwischen dem regulären Hafen und dem Fährterminal liegt auch das städtische Aquarium. Als wir vorbei kommen, zeigt sich unser gutes Timing. Eine Mitarbeiterin des Aquariums steht gegenüber dem Seitenarm des Hafenbeckens und erzählt aufgeregt Dinge per Lautsprecher die uns und ein paar andere Leute anlocken. Nachdem sie ihren Redeanteil beendet hat springt (für uns) plötzlich ein Delphin im Hafenbecken! Es folgt eine Art kleine Delphin-Show in der das Tier den Auslauf im (abgetrennten) Hafenbecken genießt und auf Kommando auch ein paar Sprünge für die Besucher macht. Einfach so, umsonst und nicht ganz so eingesperrt wie im Aquarium.

Weiter nach Plan erreichen wir den (Regio-)Bahnhof Kagoshima, der im krassen Gegensatz zur Stadt und dem großen Shinkansen-Bahnhof eher wie ein Bahnhof auf dem Dorf wirkt. Wir fahren eine Station durch den Berg zum nagelneuen und aus irgendeinem Grund winzigen Bahnhof Sengan-en. Benannt nach dem angrenzenden japanischen Garten. Die neu gebaute, fragwürdige Fußgängerverkehrsführung führt uns über einen Umweg über die Hauptstraße zum Eingang des Gartens.

Im Sengan-en erwartet uns großer, gepflegter Garten inkl. Waldstück, Schreine, historische Bauten und zu unserer Überraschung ein Chrysanthemen-Festival. Chrysanthemen haben gerade Hauptsaison und werden überall im Land auf verschiedene Art ausgestellt.

Während wir durch die verschiedenen Bereiche des Garten schlendern bekommen wir auch immer wieder eine fantastische Aussicht auf den Sakurajima. Im Wald-Bereich wird es deutlich ruhiger und wir sehen auch einheimische Spinnen (hoffentlich nur) über den Weg krabbeln.

Mitten im Wald erreichen wir ein Torii zu einem Schrein mit einer Katzenfigur. Das kann nur eins bedeuten: wir sind am Neko-Jinja, dem Katzenschrein. Nach dem Torii führen uns verschiedene Katzenfiguren eine Treppe hinauf zum Hauptschrein. Wir halten kurz inne und ehren die Neko-Kami (Katzengottheit). Auf der anderen Seite unterhalb des Schreins ist der zugehörige Schrein-Laden bei dem man Ema (beschreibbare Wunschtafeln aus Holz), Omamori (Glücksbringer), sowie weitere Schrein-Gegenstände und diverse Souvenirs, alles im Katzenstil, kaufen kann. Gefährlich!

Auf dem Rückweg gehen wir schnell an den maßlos überteuerten Cafés, Läden und dem fancy Restaurant vorbei und im Slalom zurück zum Bahnhof. Der winzige Bahnsteig ist bereits sehr voll und alle überlegen wohl, ob wir in das kleine Bähnchen mit nur einem Wagen rein passen. Zum Glück war die Bahn relativ leer, sodass es tatsächlich geklappt hat und wir sogar die besten Stehplätze direkt hinter dem Lokführer bekommen haben und die kurze, aber abwechslungsreiche, eingleisige Strecke zwischen Strand, Häusern und dem Tunnel durch den Berg aus Fahrersicht genießen konnten.

Nach diesem super ereignisreichen Nachmittag konnten wir endlich im Hotel einchecken und uns etwas ausruhen und Kraft fürs Abendessen tanken. Nachdem das geplante Restaurant trotz freier Tische plötzlich nur noch mit Reservierung möglich war (japanische Unflexibilität lässt grüßen), haben wir spontan ein anderes Restaurant für die lokale Spezialität ausgesucht. Heute gibt es Kuro Buta Tonkatsu: Premium-Schnitzel vom schwarzen Berkshire-Schwein.